Murphy´s Gesetz
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Und Murphy, ganz kritisch, ganz klar analytisch,
ruft laut, pessimistischen Muts:
Die Entropie für gewöhnlich,
die meint das persönlich,
und was schiefgehen kann - ja, das tut´s!

David Brin, Der Übungseffekt


Computer funktionieren nicht, das ist eine altbekannte Tatsache. Und ausgerechnet dann funktionieren sie am wenigsten, wenn man sie am nötigsten braucht. Abstürzende Betriebssysteme, zerstörte Registries, zerhäckselte Partitionen, defekte Hardware - mit nahezu menschlicher Perfidie torpediert der Rechenknecht all unsere Bemühungen, die terminierte Arbeit fertigzustellen, unseren Vortrag bzw. die Dias für den Kongreß nächste Woche oder unsere Steueerklärung termingerecht fertigzustellen. Wenn man ihn denn läßt.

Ich finde, wir sollten ihn nicht lassen. Zwar werden alle Bemühungen uns nicht vor defekten Rechnern bewahren, aber die negativen Folgen können wir mit einigen Tricks minimieren. Daher hier Rainers

Überlebenstips für den Computerabsturz.


Die erste Regel für den sicheren Umgang mit Computer heißt

Daten sichern!

Der Brief, die Habiltationsarbeit oder die Steuererklärung auf der Festplatte sind nicht gesichert!! Sie sind zwar nach der EDV-Definition gespeichert, aber noch lange nicht sicher. Ein abschmierendes Betriebssystem, ein Virus, ein Hardwarefehler oder ein Fehler von Ihnen, und Ihre ganze Arbeit landet im Datennirwana, wo sie mit viel Glück von einem Datenrettungsdienst für teueres Geld vielleicht noch einmal hervorgezaubert werden kann, in vielen Fällen aber eben nicht (siehe Murphy). Daher sollten regelmäßig, in jedem Falle nach größeren Änderungen der Daten, diese gesichert werden.

Dies kann auf Disketten geschehen, auf Wechselplattenlaufwerke, auf Streamer oder CD-ROM. Jedenfalls auf irgendein Medium, welches nicht dauerhaft mit dem Computer verbunden ist.

Die zweite Regel wird von den wenigsten Usern, die ich kenne, beherzigt (und auch von den wenigsten Betriebssystemen ohne manuelle Konfiguration präferiert):

Trennen Sie Daten- und Programm- bzw. Systembereich!

Ihre Korrespondenz mit dem Finanzamt oder andere Daten sowie Ihre Programme haben auf dem Systemlaufwerk nicht verloren! Legen Sie Programme und Daten auf getrennten physikalischen Laufwerken, zumindest aber getrennten Partitionen ab. Besser noch, Sie benutzen einen Server (siehe das Kapitel über Netzwerke).

Zerschießen Sie sich aus irgendeinem Grund die Systempartition und muß diese bei der Neuinstallation neu formatiert oder partitioniert werden, sind sämtliche Daten weg, und zwar gündlich. Daher keine Daten auf die Systempartition. Noch besser ist es, ein eigenes physikalischesLaufwerk (Festplatte) für die Daten vorzusehen. Geht die Systemplatte kaputt und muß ausgetauscht, formatiert oder partitioniert werden, sind Ihre Daten dann in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Leider unterstützt Windows diese Datenverwaltung standardmäßig nur unzureichend; auf der Systempartition wird grundsätzlich ein Verzeichnis "Eigene Dateien" eingelegt, und bestimmte Programme nutzen dieses Verzeichnis als Standardverzeichnis. Lassen Sie sich nicht beirren, und speichern Sie Ihre Daten an anderer Stelle!

Wenn Sie Ihren PC "von der Stange" gekauft haben, ist die Festplattenkapazität oftmals nicht auf mehrere Partitionen verteilt, sondern es existiert nur eine eintige Partition (hier C:). Sollten Sie sich die Neuinstallation Ihres Betriebssystem nicht zutrauen, lassen Sie sich einfach eine zweite Festplatte einbauen, das kostet heutzutage nicht mehr die Welt. Und Sie haben einen großen Schritt in Richtung Datensicherheit getan.

Lernen Sie, Iher Betriebssystem zu installieren

Haben Sie Ihren PC fertig installiert gekauft, und stellt er für Sie den berühmten "jroßen schwarzen Kasten" dar, mit dem Sie lediglich arbeiten, aber in dessen Interna Sie nicht einsteigen wollen, so lassen Sie sich zumindest erklären, wie Sie im Notfall Ihr Betriebssystem neu einspielen können, um den gestrandeten Rechner wieder flott zu machen. So was passiert nämlich grundsätzlich dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann (Murphy), und bei Chefs sind abgestürzte Rechner als Ausreden für nicht fertiggestellte Arbeiten recht wenig beliebt. Wenn Sie sich auch die Neuinstallation des Betriebssystems nicht zutrauen, kaufen Sie sich eine neue Festplatte und lassen Sie einen Freund Ihre wichtigsten Programme einrichten. Damit

Haben Sie eine konfigurierte Reservefestplatte zur Verfügung,

die sie innerhalb von zehn Minuten gegen die defekte austauschen können, und der Rechner läuft wieder wie gehabt. Hoffentlich sind Ihre Daten nicht auch auf der defekten Platte (siehe oben...).

Never touch a running system

Es ist zwar gut und richtig, stets die neuesten Treiber zu installieren, aber wenn Ihr Rechner tadellos läuft, gibt es keinen Grund für Treiber- oder BIOS-Updates, erst recht nicht, wenn wichtige Terminsachen anstehen. Mancher (ich eingeschlossen) wollte seine wunderbare, lauffähige Konfiguration durch das Umstellen auf neue Treiber noch wunderbarer machen, und erlebte sein blaues Wunder. Durchgemachte Nächte, um den Rechner wieder lauffähig zu machen, sind vorprogrammiert!

Pflegen Sie Ihre Hardware

Die Aussage, CDs seien weniger empfindlich als LPs, ist eine der größten Lügen in der Geschichte der Informationstechnologie. CD bestehen aus Acryl, und Acryl ist einer der kratzempfindlichsten Kunststoffe überhaupt. Daher gehören CDs grundsätzlich in die Hülle oder zumindst in eine Papiertasche. Leere CD-Boxen gibt´s im Computer- oder Schallplattenladen im Dutzend billiger; man sollte immr einige in Reserve haben.

Festplatten sollten nicht auf ihre Festigkeit getestet werden, sie sind hochempfindlich. Wackeln und Schwenken eines eingeschalteten Computers kann durch einen Headcrash, das ist das Aufsetzen der Festplattenköpfe auf der Platte, die Lebensdauer einer Platte deutlich senken.

Insbesondere Prozessoren sind extrem hitzeempfindlich, werden aber heutzutage aufgrund der hohen Taktfrequenzen erschreckend warm. Ohne Kühler läuft da nix mehr, und ist der Lüfter kaputt, macht der Prozessor meist innerhalb weniger Minuten dasselbe. Schmutz, Staub sowie verharzende Öle können die Drehzahl des Lüfters derart senken, daß der Prozessor überhitzt. Gute Mainboards melden sich alsbald mit einem aufdringlichen Piepsen; dann sofort Rechner ausschalten, sonst droht der Hitzetod! Das Perfide an derart geschädigten Prozessoren ist, daß sie keineswegs sofort komplett Ihren Dienst versagen (siehe unten)...

Auch Hardware lebt nicht ewig

Auch die beste Pflege des Rechners verhindert nicht, daß irgendwann mal ein Hardwarefehler auftritt. Insbesondere mechanische Bauteile (Lüfter, Laufwerke) sind einem steten Verschleiß unterzogen, der sich niemals ausschalten läßt. Jedoch sind häufiges Starten und Stoppen von Festplatten zwecks "Energiesparen" bzw. dauerndes Aus- und Einschaltten des Computers dem Verschleiß von Festplattenlagern eher förderlich. Daher bei netzbetriebenen Geräten sparsam einsetzen! Lüfter regelmäßig warten und ggf. reinigen, um eine gute Kühlung der Bauteile sicherzustellen. Rechner und Komponenten nicht aus dem Fenster werfen....

Kaufen Sie Hardware mit Bedacht

Soll ihr nächster Computer aus dem Supermarkt kommen, haben Sie meist keinen Einfluß auf die Hardwarekomponenten. Lassen Sie sich das Gerät bei einem Systemhändler zusammenstellen, so lassen Sie sich in puncto Ausstattung von diesem beraten. Hier einige Tips:

Der Rechner steht und fällt mit dem Motherboard. Hier sollten gute Produkte zum Einsatz kommen; das sind nicht zwangsläufig die teuersten. Ein vernünftiges Ausstattungsdetail ist ein sog. Hardwaremonitor; dieser liefert ihnen über ein kleines Programm ständig Informationen über die Betriebsspannungen und die Temperatur des Board und des Prozessors, ggf. auch die Lüfterdrehzahl. Zusätzlich überwacht der Hardwaremonitor bestimmte Grenztemperaturen und gibt bei Übrschreiten Alarm oder verringert die Taktfrequenz des Prozessors, um ihn zu schützen. Vorsicht bei Boards, welche die Einstellung der Betriebsspannungen für den Prozessor über das BIOS erlauben! Es gibt mittlerweile Viren, welche ebendieses Feature ausnutzen und die Hardwarekonfiguration verstellen, daß der Prozessor z. B. statt 2 Volt 3 Volt erhält. Da ist der Tod Ihrer Bauteile wortwörtlich programmiert.

Je schneller desto Lüfter! Je höher die Taktfrequenz des Prozessors, desto besser muß er gekühlt werden, sonst überhitzt er. Wenn Sie sich schon den 1 GHz-Multitakt-Knaller einbauen müssen, dann kaufen Sie ihm auch den besten Kühler, den sie kriegen können, selbst wenn der noch mal mit einem großen Blauen zu Buche schlägt.

Kaufen Sie einheitliche Hardware. Wenn Sie sich mehrere Rechner zulegen, so sollten diese halbwegs identisch ausgestattet sein. Also nicht in jeden Rechner ein anders Board, einen anderen Prozessor und andere Graphikkarten. Sie verbauen sich sonst die Chance, im Fehlerfall mal eben schnell eine Komponente zwischen den Rechnern zu tauschen.

Festplatte ist nicht gleich Festplatte. Festplatten werden heute größtenteils entweder als IDE oder als SCSI-Version gebaut. Der IDE-Bus erlaubt den Einbau von bis zu vier Festplatten bzw. CD-ROM-Laufwerken in einen Rechner, der SCSI-Bus getattet derer 7 bzw. in der Wide-SCSI-Version 15. IDE-Laufwerke sind in den meisten Arbeitsplatzrechnern Standard, weil sie wesentlich billiger sind als SCSI-Platten, welche hauptsächlich in Servern eingesetzt werden. Für den Hausgebrauch reicht IDE völlig aus; müssen Sie jedoch ständig große Datenmengen hin- und herschaufeln oder soll der Rechner als Server eingestzt werden, dann kaufen Sie sich gleich SCSI, denn so schnell wie SCSI ist IDE nur bedingt (Ja ja, hier werden die Protest der IDE-ler laut, ich höre sie schon). Insbesondere bei Zugriffen auf fraktionierte Dateien brechen IDE-Platten häufig ein.


Hardwarefehler

Hagelt es plötzlich Programmabstürze? Nerven Sie Systemabstürze, nach denen nichts mehr geht? Quittiert NT plötzlich laufend und unvorhergesehen mit einem BSOD (Blue Scren of Death) den Dienst (z.B. k_mode exception not handled)? Fährt der Rechner gar nicht mehr hoch? Dann liegt der Verdacht auf einen Hardware-Defekt nahe. Doch wo suchen?

Fatalerweise sind die wenigsten Hardwarefehler auf Anhieb als solche identifizierbar. Bleibt nach dem Einschalten das Rauschen des Lüfters oder das vertraute Surren und Knacken der Festplatte aus, ist die Sache ziemlich schnell klar. Doch defekte Prozessoren oder Speicherbausteine sind selten sofort als solche zu erkennen.

Bevor defekte Platten, Speicherbausteine, Controller und Prozessoren angeschuldigt werden, muß natürlich zuerst ein Fehler in der Stromversorgung und Verkabelung ausgeschlossen werden!

Ein nicht seltener Fehler ist das "Hängenbleiben" der Festplatte. Das kommt so: Beim Ausschalten der Platte wird die Rotationsenergie zum Parken der Köpfe benutzt, das bedeutet, sie werden in eine sichere Position gefahren, damit sie, wenn die eigentlichen Platten zur Ruhe kommen, nicht auf der Plattenoberfläche landen (Headcrah). Mit dem erneuten Anlaufen des Spindelmotors werden die Köpfe wieder aus ihrer Parkposition befreit. Es kann nun sein, daß die Köpfe in ihrer Parkposition "hängenbleiben", die Platte läuft dann nicht an. In solchen Fällen ist meist nicht mehr viel zu retten; wohl dem, der seine Daten gesichert hat. Mutige können versuchen, die Platte auszubauen und durch (leichtes!!) Klopfen mit dem Griff eines Schraubenziehers gegen die Platte die fehlerhafte Arretierung zu lösen. Meist klappt das ganz gut, aber durch die Klopferei hat sich dann auch die Justierung der Köpfe verändert, so daß die gespeicherten Daten nicht mehr gelesen werden können. Befinden sich wichtige Daten auf der Platte, so ist sie ein Fall für einen Datenrettungsdienst, der in aller Regel die Daten zumindest partiell restaurieren kann. Benötigt man die Daten nicht zwingend, kann man versuchen, durch Low-Level-Formatierung die Platte zu reaktivieren; zu empfehlen ist das allerdings nicht, denn der Fehler kann jederzeit wieder auftreten. Am besten ist: weg damit. Dieser Fehler tritt übrigens besonders gerne bei Platten in Servern auf, welche monatelang im Dauerbetrieb stehen. Wird die Stromversorgung dann unterbrochen, und die Platten fahren herunter, dann starten sie beim nächsten Einschalten nicht mehr.

Häufen sich Lese- oder Schreibfehler beim Zugriff auf die Festplatte, so ist das heutzutage ein signum malum ominis, oder wie die Werbung sagen würde "Alarmsignal!". Im Gegnsatz zu den Pionierzeiten der Festplatten, wo der Controller noch jeden einzelnen Datensektor durch Angabe von Zylinder-, Kopf- und Sektornummer anforderte (CHS = Cylinder, Head, Sector), haben wir es heute mit "intelligenten" Platten zu tun, die man zwar meist ebenfalls im CHS-Modus ansprechen kann, die jedoch diese Angaben intern in ihre eigene Sektorliste umsetzen. Dadurch sind sie in der Lage, defekte Sektoren intern auszumaskieren und durch Ersatzsektoren zu ersetzen, ohne daß der Controller davon etwas mitbekommt. Treten bei diesen Platten defekte Sektoren auf, so ist dies ein sicheres Zeichen dafür, daß die Reservesektoren bereits alle "verbraucht" sind, die Platte also bereits massive Schäden aufweist. SCSI-Platten kann man in diesem Fall Low-level-formatieren und dadurch durchaus wieder funktionsfähig machen. Ein gesundes Mißtrauen in eine derart "reanimierte" Platte ist jedoch durchaus angebracht; als Systemplatte sollte sie nicht mehr eingesetzt werden

Plötzliche Abstürze einer bisher einwandfrei funktionierenden Konfiguration, Systemabstürze bereits beim Starten und "einfrierende" Rechner haben ihre Ursache oftmals in defekten Speicherbausteinen oder Prozessoren. Gründe hierfür sind z. B. thermische Überlastungen, Haarrisse auf den Platinen, Schäden durch Überspannungen oder statische Elektrizität, oder aber, ganz banal, Wackelkontakte.

Treten o.g. Fehler auf, so sollte man zuerst einmal ganz banal den korrekten Sitz von Speicherbausteinen, Steckkarten und Prozessor prüfen; oftmals hat sich nur eine Karte bzw. ein Baustein gelockert. Geht die Fehlerheimsuchung weiter, so sollte man den Speicher überprüfen. Hierbei ist leider die routinemäßige Prüfung des Speichers beim Systemstart nur eingeschränkt brauchbar; findet das BIOS beispielsweise nur 65 MB, hat man aber 96 MB eingebaut, so ist die Sache klar. Eine korrekte Anzeige des eingebauten Speichers hat andererseits jedoch praktisch keinen Wert. Hier hilft nur eine dezidierte Prüfung des Speichers durch entsprechende Programme. Ist der Rechner mit mehreren Speicher"riegeln" ausgerüstet, so kann man probeweise alle bis auf einen ausbauen und sehen, ob der Rechner wieder zuverlässig arbeitet. Wenn schließlich nach dem Einbau eines "Riegels" die Fehler wieder auftreten, so kann man sicher sein, den defekten Baustein identifiziert zu haben. Sicherheitshalber kann man ihn beim Händler überprüfen lassen, aber man kann bereits davon ausgehen, daß es zum Abendessen Chips gibt...

Defekte Prozessoren sind besonders fies. Auch sie quittieren oftmals ihren Dienst nicht vollständig, sondern verursachen sporadische, nicht nachvollziehbare Abstürze. Man sollte den Prozessor probeweise gegen einen anderen austauschen; funktionirt der Rechner mit einem neuen Prozessor, hat man den Übeltäter. Auch hier hilft anschließend leider nur der Griff zum Mülleimer.

Gründe für Hardwarefehler

Folgende Fehler sind meist verantwortlich für Hardwarefehler:

Der Lauf der Zeit

Leider ist allen irdischen Dingen nur eine gewisse Lebenszeit vorherbestimmt (vanitas). Diese fundamentale Tatsache macht auch vor der Computerhardware nicht halt. Besonders anfällig für den Verschleiß sind mechanische Bauteile (s.o), aber auch rein elektronische Bauteile sind nicht vor dem Ableben durch Alterschwäche gefeit. Fördernd hier ist sicherlich der Betrieb unter unspezifizierten Bedingungen, also Betrieb mit zu hoher Taktfrequenz und Betriebsspannung, was konsekutiv zu

Hitzeschäden führt.

Die Notwendigkeit ausreichender Kühlung wurde schon weiter vorne klar herausgestellt. Thermische Überlastungen verursachen wahrscheinlich bei rein elektronischen Bauteilen die meisten Ausfälle

Statische Elektrizität kann tödlich sein

Für elektronische Bauteile nämlich. Besonders fatal kann das Zerlegen des Rechners im mit trockener Luft gefüllten und mit Teppichboden ausgelegten, klimatisierten Büro sein. Trockene Luft und Synthetikböden fördern geradzu die elektrostatische Aufladung, was jeder, der beim Berühren der Türklinke einen ektrischen Schlag versetzt bekommt, leidvoll zu bestätigen weiß. Ärgerlicherweise wird das Problem noch durch den -durchaus vernünftigen- Rat "Vor Öffnen des Gerätes Netzstecker ziehen" verschärft, weil ohne die Verbindung des Gehäuses mit dem Schutzleiter des Stromnetzes eine gefahrlose Entladung des Körpers über das Rechnergehäuse nicht mehr möglich ist. Wer also an seiner Hardware herumschrauben möchte, tut gut daran, das Gehäuse über einen Draht mit der Wasserleitung oder einem (nicht lackierten!) Teil eines Heizungsrohres zu verbinden; diese Teile stehen in aller Regel über die Potentialausgleichsschiene mit dem Schutzleiter des Stromnetzes in Verbindung. Wenn man dann vor Berühren der Computerteile das Gehäuse berührt (und das tut man meistens), kann im Prinzip nicht mehr viel passieren.

Von Blitzen...

Schlägt der Blitz in das Stromnetz ein, fällt selbiges meist aus. Oftmals hat aber die Überspannung das Leben des Rechners vorher endgülig beendet. Einen begrenzten Schutz bieten Überspannungsfilter, welche man als einzelne Bauteile oder als Bestandteil von Steckdosenleisten käuflich erwerben kann. Sie helfen zuverlässig gegen (begrenzte) Überspannungen und hochfrequente Störungen aus dem Stromnetz und verhindern auch die Verbreitung hochfrequenter Störungen des eigenen Rechners ins Stromnetz. Haut´s aber genau in den Strommast auf dem Dach, sind diese Geräte dann doch überfordert.

...und Atombomben

Diese beiden, physikalisch sicherlich völlig verschiedenen Vorkommnisse haben ein gemeinsames Phänomen: den EMP, den elekto-magnetischen Pulsareffekt. Dieser fiese Effekt ist nicht zu unterschätzen. Sowohl beim Blitz als auch bei der Explosion einer Atombombe entsteht ein starkes magnetisches Feld. Dieses magnetische Feld ist, wie Herr Maxwell bereits im letzten Jahrhundert völlig richtig erkannte, dummerweise in der Lage, in allen elektrisch leitfähigen Stoffen eine elektrische Spannung zu induzieren, und dazu zählt leider auch unser Rechenknecht.

Im Klartext: Haut der Blitz in Nachbars Kirschbaum, so kann der damit verbundene Stromfluß zwischen Wolke und Kirschbaum ein derart starkes Magnetfeld aufbauen, daß selbiges in den Bauteilen unseres Computers eine Spannung induziert, welche die Halbleiterbauteile zerstört. Da hilft kein Überspannungsfilter und kein "Ziehen des Netzsteckers"; letzteres verschlimmert die Sache eher, denn das Gehäuse, welches als Abschirmung vor dem magnetischen Feld dienen könnte, ist nicht mehr geerdet (s.o). Die Zerstörung ist übrigens nicht auf Computer beschränkt; elektronischen Durchlauferhitzern, Stereoanlagen und anderen segensreichen Erfindungen einschließlich des Steuergerätes der Einspritzpumpe am Auto geht es ebenfalls an den Kragen. Da hilft dann nur noch eine gute Hausratversicherung, welche hoffentlich Schäden durch EMP einschließt (Police prüfen!).

Eine entfernte thermo-nukleare Explosion hat denselben Effekt, weshalb die Armeen der Welt ihre Aufklärungsgeräte in speziellen EMP-sicheren Bauten betreiben, und die Geräte eine extra EMP-Klassifizierung erhalten. Detoniert allerdings die Bombe in Nachbars Kirschbaum, haben wir andere Probleme als einen EMP....

Haben Sie Fragen oder Anregungen? E-mail an mich! rainer @ rgthill.de


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